Drei Wochen unterwegs in Guatemala und Mexiko

Mittwoch, 12. Dezember 2018 | Selin Höfle

Enthält Werbung da Hotels und Namen von Restaurants, Reisebüros und sonstigen Organisationen genannt werden.

Guatemala- Dieses Land hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Natürlich hatte ich den Namen schon einmal gehört und konnte es geografisch auch ungefähr einordnen, jedoch war ich noch nie auf die Idee gekommen nach Guatemala zu reisen. Freunde von uns haben letztes Jahr einen Trip durch Guatemala, Belize und Mexiko gemacht und uns abenteuerliche Geschichten und Vulkanen, Dschungellandschaften und Maya Ruinen erzählt. Also wollten auch wir uns ein Bild von Guatemala machen. Um auch noch ein wenig ans Meer zu kommen, planten wir auch noch 10 Tage Mexiko im Anschluss.

Anfang November ging es los und wir landeten abends in Guatemala-City. An der Gepäckausgabe schnüffelte sich erst mal ein Drogenhund durch die Koffer, mein Rucksack musste nochmal extra untersucht werden und im Aufzug zum Parkdeck war das Licht kaputt und wir standen im Dunkeln. Wir hatten ein Hotel in der Nähe des Flughafens für die erste Nacht gebucht und wurden von einem Fahrer dort hin gebracht. Das Hotel lag in einer „Security Area“ mit hohen Mauern, bewachtem Eingang und Stacheldraht. Stacheldraht sieht man in Guatemala sowieso recht häufig. Ehrlich gesagt waren wir zuerst ein wenig schockiert. Die Einheimischen erzählten, wenn man sein Auto in Guatemala City außerhalb einer Sicherheitszone parkt wird es auf jeden Fall geklaut.Natürlich hatten auch wir Geschichten von Überfällen auf Touristen gehört und waren die ersten Tage wirklich sehr vorsichtig. Allerdings fühlten wir uns nach ein paar Tagen schon sehr sicher und wir waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Antigua 

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter nach Antigua. Die Fahrt wurde vom Hotel organisiert und dauerte keine zwei Stunden. Der Verkehr in Guatemala-City ist echt schlimm aber da Sonntag war, kamen wir recht zügig raus aus der Stadt.

In Antigua hatten wir viel geplant.Wir wollten eine Kaffe Finca besuchen, einen Tagesausflug zum Atitlan See machen und den Acatenango besteigen. Das ist ein knapp 4000 m hoher Vulkan, von dem man eine wunderbare Sicht auf den sehr aktiven Volcan de Fuego hat. In Guatemala gibt es über 30 potentiell aktive Vulkane, von denen drei dauerhaft aktiv sind. Der Pacaya, der Sanitaguito und der Fuego, der direkt neben dem Acatenango liegt.

Den Kaffeeanbau haben wir uns auf der Finca Filadelfia bei Antigua näher anschauen können. Dort sieht man wie viel Zeit eigentlich vergeht, von der Aussaat bis zu einer Tasse Kaffee, nämlich ungefähr vier Jahre. Der Tagesausflug zum Atitlan See war durch die lange Fahrt von ingesamt sechs Stunden sehr anstrengend. Hier würde ich lieber zwei Nächte vor Ort einplanen, denn der See ist sehr schön und die Vulkane drumherum sehen wahnsinnig beeindruckend aus. Eigentlich dauert die Fahrt nur zwei Stunden je Strecke aber in Guatemala darf man es mit diesen Zeitangaben nicht allzu genau nehmen. Mehr dazu später.

Die beste Tour unseres Lebens!

Die zweitägige Tour auf den Acatenango war das absolute Highlight unserer Reise. Der Aufstieg dauert vier bis fünf Stunden und bis auf das letzte Stück, geht es wirklich die ganze Zeit Steil bergauf. Wir haben uns für umgerechnet 35 € einen Porter gebucht, der uns das Zelt und die Schlafsäcke auf den Vulkan getragen hat. Das war eine super Investition da wir jeweils vier Liter Wasser, warme Kleidung und Snacks dabei hatten. Unser Guide war 19, sprach nur spanisch aber war total nett und hat uns sicher ins Basiscamp auf 3690 m gebracht.

Dort oben verbrachten wir eine kalte Nacht am Lagerfeuer mit Blick auf den lavaspeienden Fuego. Es war ein unglaubliches Gefühl diesen Vulkan zu sehen und vor allem zu hören. Die ganze Nacht grollte es wie Donner und wir machten im kalten und feuchten Zelt so gut wie kein Auge zu. Als uns der Guide um 4:30 Uhr weckte um die Aufstieg zum Gipfel zu beginnen, waren wir fast schon erleichtert.

Mit Taschenlampen machten wir uns also mitten in der Nacht auf den Weg zum Gipfel um den Sonnenaufgang zu sehen. Der Weg war beschwerlich, denn im Vulkansand machte man immer zwei Schritte nach vorne und rutschte einen zurück. Nach etwas über einer Stunde kamen wir endlich oben auf 3976m an. Die Temperatur lag unter 0 Grad, der Boden war gefroren und es wehte ein eisiger Wind. Aber als die Sonne dann hinter dem „Agua“, ein weiterer Vulkan Antiguas, hervorkam waren die Anstrengungen vergessen und wir genossen diesen einzigartigen Ausblick. Schon allein wegen diesem Erlebnis lohnt es sich Guatemala zu besuchen.

Lanquin und Semuc Champey

Unser nächstes Ziel war Lanquin, das so ziemlich in der Mitte von Guatemala liegt. Ich habe euch vorhin was über Fahrtzeiten erzählt und naja, es wurde uns gesagt dass die Fahrt nach Lanquin ungefähr acht Stunden dauern sollte. Wir buchten den Transfer einen Tag im Voraus in Antigua. Dort sind überall kleine Reisebüros und die Kosten für den Transfer sind recht günstig. Wir brauchten für eine Strecke von 270 km über 11 Stunden. Die Route bestand eigentlich nur aus Kurven. Das einzige Stück Autobahn endete kurz nach Guatemala-City und dann Standen wir wegen einem Erdrutsch auch noch im Stau. Die letzte Stunde fuhren wir um dunkeln eine steile Schotterpiste hinab nach Lanquin.

Nach Lanquin wollten wir vor allem wegen Semuc Champey, das sind natürliche Kalkstein Pools mit türkisfarbenem Wasser. Wir buchten eine Tour über unser Hostel und besuchten außerdem noch die K'anb'a Höhle. In der Höhle stand einem das Wasser teilweise bis zum Hals und die einzige Lichtquelle war eine Kerze. Die Höhle würde ich euch tatsächlich nur empfehlen, wenn ihr keine Platzangst habt. Es war teilweise wirklich grenzwertig aber im Nachhinein ein tolles Abenteuer.

Flores und Tikal

Von Lanquin aus fuhren wir weiter nach Norden. Der nächste Stopp war Flores. Von dort aus machten wir einen Tagesausflug zu den Maya Ruinen von Tikal. Man kann die Tour entweder zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang machen. Uns wurde die Sonnenuntergangs Tour empfohlen, die wirklich sehr schön war. Auf der weitläufige Anlage waren nicht mal 100 Menschen, wir durften die Maya Pyramiden besteigen, die teilweise 70 m hoch waren und konnten den Sonnenuntergang über den Bäumen des Regenwaldes sehen.

Bisher waren alle Sehenswürdigkeiten in Guatemala echt faszinierend. Es war nirgendwo richtig voll oder touristisch. Die Menschen waren super freundlich, auch wenn die meisten wirklich kein englisch sprechen. Trotzdem hat alles so funktioniert, wie wir es geplant haben. Die Fahrten zwischen den Orten waren zwar lang und anstrengend, aber so konnten wir wirklich viel von Guatemala sehen.

Weiter geht es nach Mexiko!

Das nächste Ziel war nun die Yucatan Halbinsel in Mexiko. Dafür mussten wir über Land aus Guatemala ausreisen, zu Fuß mit Gepäck ins Nachbarland Belize einreisen und dann eine gute Stunde im Bus warten, da ein Pärchen aus der Gruppe wegen einer Banane an der Grenze aufgehalten wurde. Es ist nämlich verboten Obst nach Belize einzuführen. In Belize City mussten wir nochmal in einen anderen Bus umsteigen und fuhren dann direkt weiter zur mexikanischen Grenze. Dort mussten wir wieder mit dem kompletten Gepäck zu Fuß einreisen und erreichten abends dann endlich die Stadt Chetumal. Ab hier hatten wir für eine Woche einen Mietwagen, da wir in Mexiko flexibel sein wollten. Von Chetumal fuhren wir direkt weiter nach Bacalar, wo wir die nächsten zwei Tage verbrachten. Im dunkeln fahren ist nicht so ratsam, da es in Mexiko viele schlecht gekennzeichnete Geschwindigkeits- Barrieren gibt, über die man sehr hart drüber fährt. Wir hatten zum Glück das komplette Auto samt Unterboden versichert.

Bacalar ist ein ganz kleines Örtchen, dass an der „Laguna de los siete colores“ , Lagune der sieben Farben liegt. Die Laguna präsentiert sich tatsächlich in den schönsten Blautönen und das Wasser ist klar und ruhig. Der Ort ist noch relativ untouristisch und war perfekt um uns zwei Tage von der anstrengenden Reise zu erholen. Anschließend fuhren wir rund 200 km weiter nach Tulum.

Unterwegs ist uns folgendes passiert:

Wir hatten schon viel darüber gelesen, aber auch wir wurden von der Polizei unterwegs mit Blaulicht angehalten. Uns wurde zur Last gelegt, das Geschwindigkeitslimit missachtet zu haben, aber da wir bei erlaubten 30 km/h mit nicht mal 35 km/h unterwegs waren, konnte die Polizei das mit bloßem Auge definitiv nicht sehen. Uns wurde geraten die Strafe von 2000 Pesos, ungefähr 80€ sofort zu bezahlen, da es auf der Wache ja sehr viel teurer sein würde. Trotz diskutieren und „dumm stellen“, beharrte der Polizist auf die Strafe. Irgendwann stand dann noch sein Kollege am Auto und wir bezahlten letztendlich direkt in die Tasche des korrupten Polizisten. Natürlich hätten wir noch mehr diskutieren können oder uns schlichtweg weigern zu bezahlen, aber wenn man in diese Situation kommt, ist es gar nicht so leicht. Mein Tipp im Nachhinein wäre es mit auf die Wache zu fahren und das offiziell zu klären, so dass der Polizist das Geld nicht selbst einstecken kann. Das Argument, nicht genügend Geld dabei zu haben, zieht auch nur bedingt. Bekannte von uns mussten mit der Polizei direkt zum Geldautomaten fahren und die Strafe bezahlen.

Tulum- gar nicht so fancy mit kleinem Budget!

Wenn man den Ort Tulum googelt oder sich Bilder auf Instagram anschaut, sieht der Ort wirklich traumhaft aus. Allerdings muss man unterscheiden zwischen Tulum Stadt und Tulum Beach, der ungefähr 4 km von dem Ort Tulum entfernt liegt. Dort findet man zahlreiche Luxushotels und einige Restaurants und Geschäfte, in denen die Preise aber drei mal so teuer sind wie in der Stadt. Unser Hotel lag in Zentrum von Tulum, in einer zwielichtigen Gegend und es hat uns in der Stadt nicht wirklich gut gefallen. Wir wollten aber vor allem Ausflüge machen und haben uns deshalb für ein günstigeres Hotel entschieden.

Cenoten

Wir wollten vor allem Cenoten sehen, Löcher oder Höhlen im kalksteinhaltigen Boden Yucatans, die mit Grundwasser oder Regenwasser gefüllt sind. Da auch hier die meisten bekannte Cenoten restlos überlaufen sind, muss man entweder früh aufstehen oder sich für eine ein wenig unbekanntere Cenoten entscheiden. Wir waren in der der Suytun Cenote und in der Cenote San Lorenzo Oxman, die beide in der Nähe von Valladolid liegen. In Suytun waren wir um 8 Uhr morgens tatsächlich die ersten und einzigen Gäste und ich der zweiten Cenote waren wir auch so gut wie allein. Die beiden Orte waren wirklich sehr beeindruckend. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt und kann in glasklarem Wasser schwimmen.

Im Nachhinein wäre es besser gewesen in Valladolid zu übernachten und die Ausflüge von dort zu unternehmen, aber beim zweiten mal (das es für uns in Mexiko nicht geben wird), ist man ja immer schlauer.

Die letzten fünf Tage unseres Urlaubs verbrachten wir in Playa del Carmen. Hier hatten wir ein schönes Hotel und haben außer dem Abschluss unseres Open Water Tauchscheins auch nichts weiter unternommen. Die vergangenen Tage waren so abenteuerlich und anstrengend, dass wir uns über diese Ruhe am Pool sehr freuten.

Ich kann euch Guatemala als Land sehr empfehlen, da die Landschaft und die Natur dort einfach einzigartig und wunderschön sind. Die Menschen sind freundlich und man kann richtig viele Abenteuer erleben. Nach Yucatan würde ich persönlich nicht noch einmal fliegen, da es mir dort wo wir gewesen sind, einfach zu touristisch war. Valladolid und die Cenoten haben mir in Mexiko am besten gefallen.


How to/Tipps und Tricks:

  • Nehmt am besten mehrere Kreditkarten mit. Thomas konnte an fast keinem Geldautomaten in Guatemala Geld abheben. Bei mir war es mit der Visa kein Problem. Allgemein solltet ihr immer genügend Bargeld dabei haben, da man oft nicht mit Kreditkarte bezahlen kann.

  • Vermeidet Nachtfahrten. Die Straßen sind teilweise nicht markiert und auch Kurven sind nicht gekennzeichnet.

  • Unser Anbieter für den Acatenango war Neway Tours in Antigua. Die machen die Tour in kleinen Gruppen. Wir waren z.B nur zu zweit, während andere Gruppen aus bis zu 20 Personen bestanden. Außerdem war das inkludierte Essen ziemlich gut.

  • Transporte in Guatemala könnt ihr ganz unkompliziert vor Ort buchen. Da jeder ungefähr auf dieser Route durch Guatemala reist, organisieren euch auch die meisten Hostels den Transfer.

  • In Guatemala gibt es sehr viele Apotheken, trotzdem solltet ihr die volle Palette an Magen-Darm Medikamenten und auch No Bite gegen Mücken dabei haben.

  • Probiert unbedingt das traditionelle guatemaltekische Frühstück.

  • In Antigua unbedingt ins Bella Vista Café und ins El viejo Café gehen

  • Falls ihr mit dem Mietwagen in Mexiko unterwegs seid, plant ein gewisses Budget für die Polizei (Policia Municipal) ein

  • Versucht in Tulum und Playa del Carmen in den Seitenstraßen zu essen und nicht auf der Touristenmeile, dort ist es viel teurer.

  • Solltet ihr in Mexiko den Tauchschein machen wollen, kann ich euch Divemex in Playa del Carmen sehr empfehlen.


Hotels (alle selbst bezahlt)

Guatemala City: Hostal Villa Toscana

Antigua: Posada Juma Ocag

Lanquin: Zephyr Lodge

Flores: Los Amigos

Bacalar Ha Sun Bacalar

Tulum: kann ich nicht empfehlen

Playa del Carmen: Mahekal Beach Resort


Kosten:

  • Flug mit KLM (Stuttgart-Guatemala City-Cancun-Stuttgart) 685 €

  • Hotels Guatemala: 396 €/10 Nächte

  • Transfers Guatemala: ca. 60€ pro Person für alle Transfers bis Mexiko

  • Ausflüge in Guatemala: 188 € pro Person (Kaffeeplantage, Vulkan, Atitlan See inkl.Boot, Semuc Champey Tour,Tikal Tour)

  • Grenzen: Belize ca. 14 € Pro Person

    Mexiko ca. 23 € (wenn man länger als 7 Tage in Mexiko bleibt)

  • Mietwagen für 6 Tage 276€ plus Benzin

  • Hotels Mexiko: 1562 €/11 Nächte

→ ca. 2225 € pro Person fixe Reisekosten


Ein Video unserer Reise könnt ihr euch HIER ansehen :)

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